Annapurna-Trek — die klassische 21-Tages-Runde
Die Annapurna-Circuit-Klassik-Linie zwischen Besisahar-Start und Pokhara-Ende mit Thorong-La-Pass-Übergang und Höhen-Akklimatisations-Sequenz.
Annapurna-Trek — die klassische 21-Tages-Runde
Der Annapurna-Circuit ist seit den 1970er-Jahren die klassische Trekking-Linie Nepals und für viele DACH-Trekker:innen die erste Hochgebirgs-Erfahrung jenseits der Alpen. Das Annapurna-Massiv mit Annapurna I (8.091 m, zehnthöchster Berg der Welt) liegt im Zentrum der Runde, die in etwa 21 Tagen auf rund 230 km Pfad-Strecke um den Massivkern herumführt und mit dem Thorong-La-Pass auf 5.416 m den höchsten Punkt einer der bekanntesten Tea-House-Trekkings der Welt erreicht. Vor der Pandemie zählte das Annapurna-Conservation-Area-Project etwa 40.000 Trekker:innen jährlich auf der Runde; 2024 lag die Zahl nach Wiederherstellung des Reise-Aufkommens bei etwa 25.000 — ein Niveau, das den Pfad ausgelastet, aber nicht überlaufen hält.
Die untere Etappen-Sequenz
Die klassische Aufteilung beginnt in Besisahar (etwa 800 m), das per Bus oder Jeep aus Kathmandu in sechs bis acht Stunden erreicht wird. Die Tage 1 bis 3 führen über Bahundanda und Chamje durch die subtropische Marsyangdi-Schlucht — Reisterrassen, Bananen, Wasserfälle, die Atmosphäre eines feuchten Mittelgebirges. Wer früher startet, kann diese Etappen mit dem Jeep abkürzen und erst in Chame oder Dharapani auf den Pfad treten; konsequente Wanderer halten am vollständigen Pfad fest, auch wenn die Marsyangdi-Straße inzwischen weit ins Tal hineinreicht.
Tage 4 bis 7 von Chamje über Bagarchhap und Chame nach Pisang markieren den Übergang in die Mittelgebirge-Tradition zwischen 1.500 und 3.300 m. Die Vegetation wechselt von subtropisch über Kiefer- zu Wacholder-Wäldern, die Tea-Houses werden steinerner, die Speisekarte verschiebt sich von Dal-Bhat-Vielfalt zu einer reduzierten Hochgebirgs-Linie. In Pisang (3.300 m) ist die Höhe erstmals spürbar, die Akklimatisation beginnt.
Manang — die Akklimatisations-Pflicht
Die Tage 8 bis 10 zwischen Pisang und Manang (3.500 m) sind die Akklimatisations-Pflicht-Etappe der gesamten Runde. Manang ist ein traditionelles Tibet-stämmiges Dorf mit einer Himalayan-Rescue-Association-Klinik, die täglich kostenlose Höhen-Krankheits-Vorträge anbietet — ein Termin, den niemand auf der Runde versäumen sollte. Als zusätzliche Höhen-Anpassung führt ein Tagesausflug zum Tilicho-Lake (4.919 m, einer der höchstgelegenen Seen der Welt) das Akklimatisations-Prinzip „climb high, sleep low” praktisch vor. Wer zwei Nächte in Manang bleibt und einen Akklimatisations-Tag auf 4.000 bis 4.500 m verbringt, senkt das Risiko schwerer AMS auf dem Thorong-La spürbar.
Die Tage 11 bis 13 von Manang über Yak-Kharka und Ledar nach Thorong-Phedi und High-Camp (3.500 bis 4.900 m) sind die letzte Höhen-Sequenz vor dem Pass. Die Empfehlung der HRA-Klinik: maximal 500 m Höhen-Gewinn pro Schlaf-Tag oberhalb von 3.000 m, ein zusätzlicher Ruhe-Tag pro 1.000 m. Wer schnell aufsteigen will, verliert das Sicherheits-Polster, das die Runde im Vergleich zu kürzeren Trekkings überhaupt erst tragfähig macht.
Der Pass
Tag 14 ist der Thorong-La-Pass-Tag. Aufbruch zwischen 4 und 5 Uhr morgens, sieben bis zehn Stunden Aufstieg-Abstieg, etwa 1.000 Höhenmeter Anstieg auf die Pass-Höhe 5.416 m, danach rund 1.700 Höhenmeter Abstieg nach Muktinath auf 3.700 m. Der Pass ist im Oktober und November meist schnee-frei oder leicht beschneit; in der Pre-Monsoon-Saison März bis Mai ist mit deutlich mehr Altschnee zu rechnen, in Einzeljahren mit Sturm-Risiko. Das Schneesturm-Unglück vom Oktober 2014, bei dem etwa 40 Trekker:innen am Pass ums Leben kamen, hat die Wetter-Sensibilisierung verändert: Wer heute oben einsteigt, plant Reserve-Tage ein und bricht bei zweifelhafter Vorhersage ab.
Kali-Gandaki und Poon Hill
Die Tage 15 bis 18 führen von Muktinath über Jomsom, Tatopani und Ghorepani durch die Kali-Gandaki-Schlucht — gemessen zwischen den Gipfeln Dhaulagiri (8.167 m) und Annapurna I (8.091 m) die tiefste Schluchten der Welt. Der Pfad wechselt mehrfach den Charakter: trockene Mustang-Stein-Landschaft hinter dem Pass, dann zurück in subtropisches Mittelgebirge, schließlich Rhododendron-Wälder Richtung Ghorepani. Die Tage 19 bis 21 setzen mit dem Poon-Hill-Sonnenaufgang den klassischen End-Höhepunkt: ein Aufstieg vor Morgengrauen auf 3.210 m mit Panorama-Blick auf Dhaulagiri, Annapurna South, Machapuchare und Hiunchuli, dann Abstieg nach Naya Pul und Transfer nach Pokhara.
Saison
Zwei Saison-Fenster gelten als klassische Trekking-Zeit. Die Post-Monsoon-Saison Oktober und November bringt klare Sicht, stabile Witterung, niedrige Niederschlags-Wahrscheinlichkeit — die Foto- und Berg-Saison. Die Pre-Monsoon-Saison März bis Mai hat ihren eigenen Höhepunkt im April, wenn die Rhododendron-Wälder zwischen 2.500 und 3.500 m in Blüten stehen; die Sicht ist diesiger als im Herbst, dafür ist das Pfad-Volumen niedriger. Der Winter Dezember bis Februar ist möglich, aber mit Schnee auf dem Thorong-La und geschlossenen High-Camp-Tea-Houses; die Monsoon-Saison Juni bis September fällt wegen Wolken-Sicht, Blutegel-Vorkommen und Erdrutsch-Risiko praktisch aus.
Genehmigungen und Tea-Houses
Zwei Permits sind Pflicht. Die TIMS-Card (Trekking Information Management System, etwa 25 USD) und das ACAP-Permit (Annapurna Conservation Area Project, etwa 30 USD) werden in Kathmandu im Nepal Tourism Board oder in Pokhara ausgestellt. Beide laufen separat, beide werden an den Check-Posts kontrolliert.
Übernachtet wird in Tea-Houses, den traditionellen Trekker:innen-Lodges entlang des Pfads. Eine Nacht im Mehrbett-Zimmer kostet 500 bis 1.500 NPR (etwa 4 bis 12 EUR), die Verpflegung pro Tag 800 bis 2.000 NPR (etwa 6 bis 15 EUR). Die Lodge-Wirte erwarten, dass die Übernachtungs-Gäste ihr Essen im Haus nehmen — wer Eigen-Verpflegung mitbringt, zahlt höhere Zimmer-Preise. Zelt-Ausrüstung wie ein Hilleberg Allak ist nicht erforderlich; die Tea-Houses decken die Schlaf-Logistik vollständig ab. Ein 30- bis 40-Liter-Trekking-Rucksack reicht, Schlafsack-Komfort-Bereich -5 °C bis -10 °C, robuste Trekking-Schuhe der Kategorie B/C mit eingelaufener Sohle.
Höhen-Krankheit
Die akute Höhen-Krankheit (AMS, Acute Mountain Sickness) ist die Hauptgefahr ab 2.500 m, die schwereren Formen HACE und HAPE können ohne sofortigen Abstieg tödlich verlaufen. Frühsymptome sind Kopfschmerz, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Appetit-Verlust. Die Pflicht-Praxis: oberhalb 3.000 m maximal 500 m Höhen-Gewinn pro Schlaf-Tag, ein Ruhe-Tag pro 1.000 m Höhen-Gewinn. Diamox (Acetazolamid, 125 bis 250 mg täglich, beginnend einen Tag vor dem Aufstieg auf kritische Höhe) ist die häufige Prophylaxe-Linie, ersetzt aber nicht die Akklimatisation. Bei klar progressiver AMS gilt eine einzige Regel: Abstieg, sofort, mindestens 500 bis 1.000 m, notfalls in die Nacht hinein.
Kosten und Veranstalter
Wer selbst plant und über die Tea-Houses läuft, kommt mit etwa 1.500 bis 2.500 EUR pro Person inklusive Flug aus. Eine organisierte Tour mit deutschsprachigem Bergführer, Porter-Begleitung und voller Permit- und Transfer-Logistik liegt bei 4.500 bis 7.500 EUR pro Person. Im DACH-Veranstalter-Segment sind Diamir Erlebnisreisen, Hauser Exkursionen (München, seit 1973) und Wikinger Reisen (Hagen) die klassischen Linien für den Circuit — Hauser gilt als die Trekking-Spitze für klassische Himalaya-Touren, Wikinger eher für die gemäßigteren Mittel-Trekkings rund um Ghorepani und das untere Annapurna-Sanctuary.
Wer die Runde 2026 plant, bucht den Flug nach Kathmandu (Qatar Airways, Turkish Airlines, Etihad als die DACH-Standard-Linien ab etwa 800 bis 1.200 EUR Hin- und Rückflug), reserviert die ersten zwei Hotel-Nächte und überlässt den Rest dem Pfad — das ist Teil der Annapurna-Tradition.